Donnerstag, 12. Februar 2015

Pessoa, der Flaneur


Mein Lieblingsautor ist Fernando Pessoa (1888 - 1935), ein portugiesischer Dichter, Schriftsteller, Mystiker, Kritiker und einer von den wichtigsten Literaten des letzten Jahrhunderts. Nicht besonders bekannt in der englischsprachigen Welt, enthielt er fast 80 Seelen in einem einzigen, und oft einsamen Körper. Er hat unter ungefähr 81 "Heteronymen" (falsche Namen mit verschiedene Persönlichkeiten) geschrieben, indem jeder seine eigenen Eigenschaften hat. Inmitten seiner Werken ist das Buch der Unruhe (The Book of Disquiet auf englisch) mein absolut Liebling. Dieses wurde unter seines "Semi-Heteronym" Bernardo Soares verfasst, den er selbst als "ich, ohne meinen Rationalität und Gefühlen... seine Prosa ist eine endlose Träumerei," beschrieben hat. Diese kurze Beschreibung könnte überhaupt nicht ihm gerecht werden, aber hier ist ein kleines Bild:

"Im Osten erhebt sich die Stadt, nur zum Teil sichtbar, fast senkrecht und erstürmt statisch das Kastell. Die bleiche Sonne umflort die unerwartete Häusermasse, die sie hier verbirgt, mit einer verschwommenen Aureole. Der Himmel ist von einem feuchtblassen Blau. Vielleicht regnet es heute wieder, doch sanfter als gestern. Der Wind scheint von Osten her zu kommen, denn mit einem Mal riecht es nach reifem Obst und Grünzeug vom nahen Markt. Auf der Ostseite des Platzes tummeln sich mehr Auswärtige als auf der Westseite. Die Rollläden der Geschäfte fallen wie gedämpfte Schüsse nach oben. Ich weiß nicht warum, aber das Geräusch trägt mir diesen Satz zu. Vielleicht, weil sie dieses Geräusch vor allem beim Nach-unten-Gehen verursachen, jetzt jedenfalls gehen sie nach oben. Alles erklärt sich. Mit einem Mal bin ich allein auf der Welt. Ich sehe all dies von der Höhe eines geistigen Daches aus. Ich bin allein auf der Welt. Sehen heißt abseits stehen. Klar sehen heißt stillstehen. Analysieren heißt fremd sein."

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